Handwerkliche Höchstleistungen & skandinavische Einrichtung: Ein Gespräch über Design

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Ich habe ein Interview geführt. Darin sagt meine Gesprächspartnerin auf die Frage, wie das Zuhause der Zukunft aussieht, einen klugen Satz: Sie wünscht sich, dass die Wohnungen, die sie betritt, etwas über ihre Bewohner erzählen. Diese Aussage hat mich nachdenklich gestimmt: Fragt ihr euch auch manchmal, was andere Menschen denken, wenn Sie euer Zuhause betreten? Welche Message senden wir, wenn wir uns für dieses oder jenes Möbel entscheiden? Wer oder was beeinflusst unseren Geschmack? Habe ich einen guten Geschmack? Habe ich Geschmack, weil ich ein Designerstück mein Eigen nennen kann? Design – was ist das eigentlich? Mit Denise Schulze, seit acht Jahren Sortimentsmanagerin bei smow, einem Online-Shop mit Headquarter in der inspirierenden Umgebung der Leipziger Baumwollspinnerei, habe ich über Design und skandinavisches Wohnen gesprochen.

Im Interiorbereich spielt das Wörtchen Design eine große Rolle – was heißt Design eigentlich?

Beim Wort Design muss für mich immer ein bestimmter Nutzen beziehungsweise etwas Neues erkennbar sein. Es ist vor allem oft erstaunlich, wie man bei der großen Auswahl an Möbeln noch immer etwas Neues entdeckt. Ein schönes Beispiel ist für mich hier die Control Tischleuchte von Muuto. Es gibt ja tatsächlich einen Überfluss an Leuchten, doch diese Leuchte hat eine gewisse Raffinesse. Da hat sich jemand etwas dabei gedacht und es ist etwas ganz Naheliegendes. Gerade das macht für mich Design aus, oft reicht die einfache Lösung. Design verbindet für mich Funktionalität mit einer bestimmten Ästhetik oder Raffinesse.

Was zeichnet Designermöbel aus?

Innovation spielt eine ganz große Rolle. Wenn man auf der Mailänder Möbelmesse unterwegs ist, dann findet man gerade im Bereich Stühle und Loungesessel viele Nachahmer, doch die wenigsten entwerfen noch echte Neuheiten. Da ist es schon beinahe eine schwierige Aufgabe, das Besondere zu finden. Auch Handwerk spielt für uns bei smow eine wichtige Rolle. Leider wird mittlerweile vieles als Designermöbel verstanden, das wenig damit zu tun hat. Wenn man sich die großen Designer des 21. Jahrhunderts anschaut, dann sieht man viele revolutionäre Entwicklungen, wie den Kunststoff-Freischwinger von Verner Panton, das blendfreie Licht von Louis Poulsen oder die ganze Stahlrohr-Bewegung der Bauhaus-Designer. Viele dieser Produkte entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Designer. Das ist leider heute nicht mehr so oft der Fall. Da heutzutage kaum noch etwas Revolutionäres auf den Markt kommt, spielen die Themen Handwerk und Materialien eine größere Rolle.

Ich hoffe sehr, dass wir in Zunkunft ganz viele Wohnungen betreten, die viel über die Menschen, die darin leben, erzählen.

Viele, die sich mit dem Thema zum ersten Mal beschäftigen, stellen fest, dass Designerstücke und besonders die Designklassiker eher hochpreisig sind. Wie kommt das?

Das ist wohl wahr und auch wir haben natürlich ab und an das Problem, unseren Kunden zu erklären, dass zwischen Plagiat und Original nicht nur ein preislicher Unterschied besteht. Wenn man sich anschaut, was für Möbel in den frühen 1900er-Jahren entstanden sind, dann ist es schon eine handwerkliche Höchstleistung. Viele dieser Möbel sind nicht massenproduktionstauglich und werden somit aufwendig von Hand und in vielen Arbeitsschritten gefertigt. Nicht selten wird mehr als ein ganzer Tag benötigt, um einen dieser Klassiker zu produzieren. Hinzu kommen dann die oftmals sehr hochwertigen Materialien. Als Beispiel nenne ich einmal den Wishbone Chair CH24 von Carl Hansen. Das Holz muss um die 150 Jahre alt sein und stammt aus der dänischen Forstwirtschaft, die nicht nur einen ökologischen Umgang mit dem Holz vorsieht, sondern auch nachgeforstet werden muss. Nachhaltiger und ökologischer Umgang hat einfach seinen Preis. Nimmt man natürlich günstigere Hölzer und produziert an Standorten außerhalb der EU, dann sind die Produktionskosten weitaus günstiger.

Ein Designklassiker in Lieblings' Wohnzimmer: Der Tray Table von Hay aus dem Online-Shop Smow.
Ein Designklassiker in Lieblings‘ Wohnzimmer: Der Tray Table von Hay aus dem Online-Shop Smow.

Ich möchte in ein Designstück investieren: Worauf sollte ich achten?

Man sollte wirklich darauf achten, dass es ein Original ist, denn nicht jedes Produkt, das als solches verkauft wird, ist tatsächlich eines. Es gibt aber Merkmale, die darauf hinweisen. Insbesondere Hersteller, die große Designklassiker produzieren, helfen gerne bei der Bewertung und informieren in Broschüren darüber, wie man den Unterschied zwischen Original und Plagiat erkennt. Besteht dennoch Unsicherheit, hilft auch unser Kundenservice gerne weiter. Denn es passiert ab und zu, dass Kunden Ersatzteile anfragen, die nicht passen und später stellt sich heraus, dass sie ein Plagiat besitzen. Am besten vergewissert man sich also vor dem Kauf, dass es sich um ein Original handelt.

Denise Schulze, Sortimentsmanagerin beim Online-Shop Smow im Interview über das Thema Design. Foto: Smow
Denise Schulze, Sortimentsmanagerin beim Online-Shop Smow im Interview über das Thema Design. Foto: Smow

In der Interiorwelt ist aktuell der skandinavische Stil besonders angesagt. Auch im Designbereich hat gefühlt das halbe Produktsortiment skandinavische Wurzeln. Was ist so reizvoll am Nordic Design?

Ein Aspekt ist, dass es so zeitlos und vom Handwerk geprägt ist. Das skandinavische Design spielt aber vor allem in Deutschland eine große Rolle, da uns die eigene Möbelkultur ein wenig fehlt. Schaut man sich zudem Klassiker des Dessauer Bauhaus an, dann sieht man schnell, dass diese Werke sehr von der Avantgarde geprägt sind. Die Möbel haben alle einen besonderen Wiedererkennungswert, aber sind einfach nicht Mainstream-tauglich. Das sieht bei skandinavischen Möbeln einfach anders aus. Zudem darf man die zunehmende Bedeutung von Holzmöbeln auch nicht vernachlässigen. Der Trend weg vom Kunststoff, hin zu Naturmaterialien spielt den Skandinaviern natürlich in die Karten. Skandinavisches und besonders dänisches Design war schon immer reich an warmen Farben und Materialien. Zum Glück nimmt auch in Deutschland der Wunsch nach Wärme in den eigenen vier Wänden zu. Somit ziehen skandinavische Möbel in unsere Häuser ein.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wohnen wir in 20 Jahren?

Ich hoffe, individuell stilvoll. Vor noch ein paar Jahren war das italienische Design ganz weit vorn und wurde nun von dem skandinavischen abgelöst. Mit den Trends Samt, Messing und auch hin zu dunklen Hölzern zieht so langsam ein französisches Flair in die Häuser ein. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird immer größer und so gestalten viele Menschen ihr Zuhause mit ein paar ausgewählten Flohmarkt-Schätzen. Wenn man diese ganzen Trends miteinander mischt, entsteht ein ganz spannender Einrichtungsstil, der vor allem den Bewohner widerspiegelt und Persönlichkeit schafft. Ich hoffe sehr, dass wir in Zunkunft ganz viele Wohnungen betreten, die viel über die Menschen, die darin leben, erzählen.


*Dieser Beitrag enthält Werbung für smow. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst, denn auf Lieblings stelle ich nur vor, was mir auch wirklich gefällt und was zum Lieblings-Zuhause passt. Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit.

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Als Journalistin liebe ich es, Geschichten zu erzählen. Auf meinem Blog vereine ich diese Leidenschaft mit meinem Interesse für Interior und einer Prise Neugier. Auf Lieblings ♥ zeige ich alles, was mein Herz vor Freude aus dem Tritt bringt.
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Comments

  1. Antworten

    Liebe Giovanna, danke für dieses aufschlussreiche Interview! ich kannte SMOW noch gar nicht und werde mich gleich mal dort umsehen! Liebe Grüße, Kathrin

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